Spielraum

Auf das, was da noch kommt
Auf jedes Stolpern, jedes Scheitern
Es bringt uns alles ein Stück weiter zu uns
Auf das, was da noch kommt
Auf das, was da noch kommt
Auf Euphorie und alles Leichte
Hoff’, das wird lange noch so bleiben für uns
Auf das, was da noch kommt

(Max Giesinger und Lotte – Auf das, was da noch kommt)


Gerade in der letzten Zeit erscheint mir unsere Lebenswelt immer komplexer zu werden. Ich habe zwar auch den Eindruck, dass manche Abläufe im Alltag aufgrund technischer und digitaler Möglichkeiten erst einmal einfacher handhabbar sind. Aber wenn ich genauer hinschaue, merke ich, dass durch dieses vermeintliche Einfache die Vielzahl der Möglichkeiten, die wir haben, immens angewachsen ist. In Bezug auf unser Fühlen und Denken ist dies nicht anders. Kaum haben wir ein Gefühl der Sicherheit, kommen wieder neue alternative Erkenntnisse daher. Vieles scheint in großer Schnelligkeit fortlaufenden Änderungen unterworfen zu sein.

Es gibt zu diesem aktuellen Weltenkonstrukt auch verschiedene Erklärungsversuche, auf die ich hier aber im Einzelnen nicht eingehen möchte. (Wer mag, kann dazu unter den Akronymen VUKA oder BANI nachschauen.)

Eine kluge Freundin meinte, dass ähnliche Fragen schon lange, wenn nicht sogar immer schon, in der Philosophie oder in religiösen Ansätzen diskutiert werden. Die Sprache ist eine andere, aber die Themen ähneln sich sehr.

Letztendlich kommt es auch gar nicht so auf die Erläuterungen an, sondern darauf, wie wir mit der immer komplexeren Welt umgehen. Wir müssen gar nicht alle Zusammenhänge bis ins Kleinste verstehen, um eine für uns passende Haltung zu entwickeln. Wichtig erscheint, dass wir mit hoher Aufmerksamkeit hinschauen und aus der Gleichzeitigkeit der Ereignisse, aus dem immensen Angebot der dazugehörigen Informationsmöglichkeiten diejenigen herausfiltern, die wirklich eine Relevanz für uns und unser Leben haben.

Darauf muss man sich auch erst einmal bewusst einlassen. Wir kennen doch alle das Gefühl, im Gespräch mit Anderen informiert erscheinen zu wollen und bloß nicht hinterher zu hinken. Doch gehen wir mal davon aus, dass es den meisten Menschen ähnlich wie uns geht und sehr viele diese zeitweilige Überforderung spüren. Stehen wir doch einfach dazu, dass wir manche Dinge gar nicht genauer wissen wollen und andere wiederum sehr detailliert.

Es gilt, unser Leben überschaubar zu halten, um die Kraft, die jeder von uns braucht, für die Dinge einsetzen zu können, die uns persönlich wichtig erscheinen. Dazu ist es dringend notwendig, die Vielfalt und die Mehrdimensionalität in kleine, für uns passende „Häppchen“ zu zerlegen und so unsere Zeit weiterhin selbst zu gestalten. Wenn wir wieder ein Gefühl von Klarheit in Kopf und Herz spüren, sind wir auf dem richtigen Weg.

Dann haben wir für uns einen „Spielraum“ geschaffen, in dem noch Platz für die zukünftigen Herausforderungen ist, die wir gerne annehmen möchten.

Meine Wegbegleiter